Mimar Sinan war rund 50 Jahre lang Hofarchitekt des Osmanischen Reiches, und unter seinem Namen sind über 300 Bauwerke verzeichnet: Moscheen, Medresen, Brücken, Bäder und Karawansereien. Viele der Kuppeln, die heute Istanbuls Silhouette prägen, sind sein Werk.

Von Kayseri nach Istanbul

Sinan wurde in den 1490er Jahren im Dorf Ağırnas bei Kayseri geboren. Über das Devşirme-System kam er nach Istanbul und trat in das Janitscharenkorps ein. Auf Feldzügen baute er Brücken, Schiffe und Befestigungen und sammelte so seine Erfahrung als Ingenieur.

Hofarchitekt

1539 wurde er zum Leiter der Hofarchitekten ernannt, zum Mimarbaşı. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Tod 1588 inne und diente unter Süleyman dem Prächtigen, Selim II. und Murad III.

Drei Moscheen

Der Überlieferung nach, die auf seine Lebenserinnerungen zurückgeht, beschrieb Sinan sein eigenes Werk so:

  • Şehzade-Moschee (Istanbul, 1548): mein Lehrlingsstück
  • Süleymaniye-Moschee (Istanbul, 1557): mein Gesellenstück
  • Selimiye-Moschee (Edirne, 1575): mein Meisterstück

Die Kuppel der Selimiye ist die reifste Form dessen, was Sinan sein Leben lang anstrebte: ein weiter, lichtdurchfluteter Innenraum unter einer einzigen großen Kuppel.

Wo Sie sein Werk sehen können

Sinan ruht in einem schlichten Grabmal, das er selbst entwarf, an der Ecke des Süleymaniye-Komplexes. Die Grabinschrift, ein Gedicht über seine Moscheen, Brücken und Wasserleitungen, verfasste sein Freund, der Dichter Sâî.

Das Grabmal von Mimar Sinan, Süleymaniye
Das Grabmal von Mimar Sinan, Süleymaniye

Die Süleymaniye steht in Istanbul, die Selimiye in Edirne; beide sind heute für Besucher geöffnet.

Wer in Istanbul ein ruhigeres Beispiel sucht, besucht die Kılıç-Ali-Pascha-Moschee (1580) in Tophane. Sinan baute sie für Kılıç Ali Pascha, den Admiral der osmanischen Flotte.