Im Sommer 1402 erlebte der osmanische Staat die schwerste Katastrophe seit seiner Gründung. In der Çubuk-Ebene bei Ankara wurde Bayezid I. von Timur (Tamerlan) besiegt und gefangen genommen. Die folgenden elf Jahre gingen als Interregnum (Fetret Devri) in die osmanische Geschichte ein.
Der Blitz
Bayezid bestieg 1389 nach der Schlacht auf dem Amselfeld den Thron. Wegen seiner schnellen Feldzüge nannte man ihn Yıldırım, „den Blitz“. 1396 besiegte er bei Nikopolis ein Kreuzfahrerheer, hielt Konstantinopel jahrelang blockiert und gliederte die meisten turkmenischen Fürstentümer Anatoliens ein. Viele Fürsten, die ihr Land verloren hatten, flohen nach Osten zu Timur.
Zwei Herrscher prallen aufeinander
Timur hatte ein Reich von Iran bis Indien aufgebaut und betrachtete Anatolien als seinen Einflussbereich. Zwischen den beiden Herrschern wurden scharfe Briefe gewechselt. 1400 nahm Timur Sivas ein, Bayezid zog daraufhin gegen Gebiete unter Timurs Schutz. Der Krieg war nun unvermeidlich.
Die Çubuk-Ebene, Juli 1402
Die Schlacht wird meist auf den 28. Juli 1402 datiert. Entschieden wurde sie durch die anatolischen Kontingente im osmanischen Heer: Als sie ihre früheren Fürsten auf Timurs Seite sahen, liefen sie über. Die serbischen Verbündeten und die Janitscharen hielten bis zuletzt stand, doch Bayezid und sein Sohn Musa gerieten in Gefangenschaft.
Bayezid starb im März 1403 in Akşehir in Gefangenschaft. Er soll in einem eisernen Käfig mitgeführt worden sein; diese Geschichte ist in den Quellen jedoch umstritten und wohl eine später entstandene Legende.
Bruderkrieg
Timur gab den anatolischen Fürstentümern ihre früheren Herrscher zurück und zog ab. Die osmanischen Gebiete teilten sich Bayezids Söhne: Süleyman herrschte in Edirne, İsa um Bursa und Mehmed in Amasya; der freigelassene Musa griff ebenfalls in den Kampf ein. Jahrelang bekriegten sich die Brüder.
Für das Oströmische Reich war Ankara eine unerwartete Atempause: Der Fall Konstantinopels verzögerte sich um ein halbes Jahrhundert.
Mehmed I. eint das Reich
1413 besiegte Mehmed seinen Bruder Musa bei Çamurlu und wurde als Mehmed I. Alleinherrscher. Weil er den Staat wieder vereinte, nennen ihn manche Historiker den „zweiten Gründer“ des Osmanischen Reiches. Unter ihm und seinem Sohn Murad II. erholte sich der Staat und war 1453 stark genug, um Konstantinopel zu erobern.
Wo man sie heute sieht
- Bursa, Yıldırım-Külliye: die von Bayezid gestiftete Moschee und sein Grabmal.
- Große Moschee von Bursa (Ulu Cami): die Moschee mit zwanzig Kuppeln, die Bayezid nach dem Sieg bei Nikopolis errichten ließ.
- Bursa, Grüne Moschee und Grünes Grabmal: Werke Mehmeds I., der im Grabmal ruht.
- Istanbul, Anadolu Hisarı: die Festung, die Bayezid während seiner Belagerungen Konstantinopels am asiatischen Ufer des Bosporus erbauen ließ.
Wie alles begann, lesen Sie in Von Söğüt nach Bursa.