In Süditalien sagt man noch heute „Mamma li Turchi!“ („Mutter, die Türken!“), wenn man erschrickt. Der Ausruf erinnert an die osmanische Flotte und die nordafrikanischen Korsaren, die im 16. Jahrhundert die Küsten in Angst versetzten. Der berühmteste Name dieser Zeit ist Chaireddin Barbarossa.

Der Überfall auf Fondi, 1534

Nachdem er das Kommando über die osmanische Flotte übernommen hatte, unternahm Barbarossa im Sommer 1534 einen Zug entlang der tyrrhenischen Küste Italiens. In der Nacht vom 8. auf den 9. August überfiel er Fondi zwischen Rom und Neapel. Der Überlieferung nach wollte er die für ihre Schönheit berühmte Gräfin Giulia Gonzaga entführen und Süleyman überbringen. Giulia entkam in der Dunkelheit zu Pferd, doch Fondi und das nahe Sperlonga litten schwer. Die Einzelheiten unterscheiden sich je nach Quelle und sind teilweise zur Legende geworden.

Lipari, 1544

1543 beteiligte sich Barbarossas Flotte im Rahmen eines Bündnisses mit Frankreich an der Belagerung von Nizza und überwinterte in Toulon. Auf dem Rückweg 1544 griff sie erneut die italienische Küste an; nach Ischia belagerte sie die Insel Lipari nördlich von Sizilien. Die osmanische Flotte nahm die Insel ein und verschleppte den Großteil der Bewohner.

Die Küstentürme

Gegen diese Überfälle errichtete das Königreich Neapel im 16. Jahrhundert entlang der Küste Wachtürme, die jeweils in Sichtweite des nächsten lagen. Ein Feuer auf einem Turm meldete dem nächsten herannahende Schiffe. Viele dieser „torri costiere“ stehen noch heute über den Stränden und Buchten Süditaliens.

Die Steintürme an Italiens Küsten sind die Spuren einer Angst, die einst vom Meer kam.

Was man heute sieht

  • Fondi: die Altstadt und die mittelalterliche Burg (Castello Caetani).
  • Sperlonga: die weiß getünchte Altstadt und Wachtürme am Meer wie die Torre Truglia.
  • Lipari: der Burgberg mit den nach 1544 verstärkten Mauern und das Archäologische Museum.
  • Süditalienische Küsten: Dutzende Wachtürme an den Küsten Kampaniens, Kalabriens und Apuliens.

Tipps für den Besuch

Fondi und Sperlonga erreichen Sie von Rom oder Neapel mit dem Zug und einer kurzen Busfahrt; zusammen sind sie ein schöner Tagesausflug. Nach Lipari fahren Fähren und Tragflügelboote von Milazzo auf Sizilien. Prüfen Sie vor dem Besuch die aktuellen Öffnungszeiten von Museen und Burgen. Die andere Seite des Seekriegs im Mittelmeer zeigt die Seite Pisa.