Venedig und das Osmanische Reich führten jahrhundertelang Krieg gegeneinander und trieben zugleich Handel miteinander. Die greifbarste Spur dieser engen Beziehung steht am Canal Grande: der Fondaco dei Turchi, das „Handelshaus der Türken“.
Das Handelshaus der Türken
Das Gebäude entstand im 13. Jahrhundert als Palast einer venezianischen Adelsfamilie, in einem vom Oströmischen Reich beeinflussten venezianischen Stil. 1621 vermietete die Republik Venedig es an osmanische Kaufleute. Es diente als Unterkunft, Lager und Markt; die Händler brachten vor allem Wachs, Öl, Rohwolle, Leder und Tabak nach Venedig. Diese Funktion behielt der Fondaco bis 1838, also über zweihundert Jahre. Im 19. Jahrhundert stark umgebaut, beherbergt er seit 1923 das Naturhistorische Museum Venedigs.
Mehmeds venezianischer Maler
Nach dem Frieden von 1479 schickte Venedig den Maler Gentile Bellini nach Istanbul. Bellinis Porträt Mehmeds II. von 1480 ist das bekannteste Bild des Sultans; es hängt heute in der National Gallery in London. Die Begegnung gilt als Sinnbild des künstlerischen Austauschs zwischen beiden Welten.
Erinnerungen an Lepanto
In der Seeschlacht von Lepanto 1571 war Venedig einer der wichtigsten Partner der Heiligen Liga. Die Stadt bewahrt viele Erinnerungen an diesen Sieg: Gemälde im Dogenpalast und im Schifffahrtsmuseum (Museo Storico Navale) eine osmanische Fahne, die 1571 erbeutet worden sein soll. Doch schon 1573 schlossen die Osmanen und Venedig wieder Frieden.
Für Venedig waren die Osmanen zugleich der gefährlichste Rivale und der wichtigste Handelspartner.
Was man heute sieht
- Fondaco dei Turchi: die Bogenfassade vom Canal Grande aus; im Inneren das heutige Naturhistorische Museum.
- Dogenpalast: große Gemälde von Lepanto und den Seesiegen Venedigs.
- Schifffahrtsmuseum: nahe dem Arsenal, mit Objekten zur osmanischen Flotte.
Tipps für den Besuch
Den Fondaco dei Turchi erreichen Sie am einfachsten mit dem Vaporetto bis zur Station San Stae; den schönsten Blick auf die Fassade hat man vom gegenüberliegenden Ufer. Venedig ist sehr voll: Kommen Sie früh am Morgen und prüfen Sie vorab die aktuellen Öffnungszeiten der Museen. Weitere osmanische Spuren in Europa finden Sie auf der Seite Wien.